Update Knie – Physiotherapie ist schon VOR einem künstlichen Gelenkersatz sinnvoll

Physiotherapie & Knieoperation

Vortrag in der Raphaelsklinik

Vor wenigen Wochen habe ich in der Raphaelsklinik in Münster einen Vortrag vor Ärzten und Therapeuten zur physiotherapeutischen Behandlung nach künstlichem Kniegelenkersatz gehalten. In dem Vortrag war es mir besonders wichtig die Notwendigkeit der prä-operativen Physiotherapie zu betonen, nämlich den sogenannten better-in/better-out Effekt.

Dieser besagt, dass diejenigen Patienten, die gut vorbehandelt in die Operation gehen, auch bessere Operationsergebnisse zeigen. Das erscheint logisch, denn die OP verbessert zunächst nur die Situation der knöchernden Gelenkstrukturen, die durch die Endoprothese ersetzt werden. Auf die Muskulatur und die Faszien hat die Operation keinen direkten (positiven) Einfluss. Wenn diese Strukturen jedoch so gut vorbehandelt sind, dass sie einen physiologischen Spannungszustand aufweisen und selbst keine Schmerzen verursachen, hat der Patient auch nach der Operation weniger Beschwerden.

Besseres Operationsergebnis bei Knieoperationen durch vorherige Physiotherapie

Physiotherapie hat, außer dass sie manchmal etwas schmerzhaft sein kann, keine Nebenwirkungen. Warum also sollten Sie sich die Chance auf ein besseres Operationsergebnis durch prä-operative Physiotherapie entgehen lassen? Meine praktische Erfahrung hat mir sogar gezeigt, dass vielfach durch gute physiotherapeutische Behandlung eine Operation um Jahre rausgezögert werden kann. Ein künstlicher Ersatz des Kniegelenks kann eine sehr sinnvolle Maßnahme sein, die meines Erachtens aber nur stattfinden sollte, wenn konservative Behandlungen wie Physiotherapie ausgeschöpft sind.

Selbst wenn die Operation trotz intensiver Physiotherapie notwendig ist, macht unsere Arbeit Sinn. In wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass der Krankenhausaufenthalt durch eine Behandlung vor der Operation kürzer ist (Ibrahim et al. 2013, Jordan et al. 2014). Ein im Vorfeld durchgeführtes Propriozeptionstraining, wie wir es auch bei uns in der Praxis anbieten, verbessert Funktionen wie Gehen und Stehen nach einem künstlichen Kniegelenkersatz (Peer et al. 2017).

Propriozeptionstraining ist sinnvoll – aber was ist das?

Propriozeptionstraining klingt komplizierter als es ist. Es beschreibt ein senso-motorisches Training, dass viele Übungen umfasst, die man umgangssprachlich häufig als Gleichgewichtsübungen bezeichnen würde.

Eine sehr einfache Übung ist das Stehen auf einem Bein. Dies kann erschwert werden, in dem man mit den Armen andere Bewegungen macht, beispielsweise einen Ball fängt und wirft. Eine weitere Steigerung ist der Einbeinstand auf einer sogenannten labilen oder instabilen Unterlage. In der Praxis haben wir dafür spezielle Kleingeräte wie einen Kreisel oder Weichmatten. Auch zu Hause kann man dies üben, indem man sich auf ein dickes Stuhlkissen stellt oder beim Zähneputzen den Einbeinstand versucht. Machen Sie gerne einen Termin bei uns aus und wir zeigen Ihnen weitere Übungen!

 

(Christina Groll – Physiotherapie Christina Groll)