Physiotherapie bei Hüft-Arthrose

Auch ein gezieltes Krafttraining kann weder das Bewegungsausmaß noch die Kraft der Muskeln bei Patienten mit Hüft-Arthrose verbessern: das ist das Ergebnis einer Studie dänischer Kollegen. Bieler et al. verglichen bei drei Gruppen von Menschen mit Verschleißerscheinungen in der Hüft-Arthrose den Effekt unterschiedlicher Trainingsarten auf die Kraft und Beweglichkeit des Hüft-Gelenks. Unter physiotherapeutischer Anleitung absolvierte die erste Gruppe ein Krafttraining und die zweite Gruppe machte Nordic Walking. Die dritte Gruppe hingegen führte eigenständig Übungen zuhause durch.

Doch bei keiner dieser drei Gruppen konnte eine signifikante Verbesserung der Kraft oder des Bewegungsausmaßes der Hüfte festgestellt werden. Ein möglicher Grund hierfür ist beispielsweise eine Zunahme der Schmerzen bei der Durchführung der Kraftübungen. In einer anderen Studie, in der weniger intensive Übungen durchgeführt wurden, konnten die Forscher hingegen eine Verbesserung der Kraft beobachten.

Propriozeptionstraining stafft Krafttraining

Mich überraschen die Ergebnisse nicht sonderlich, denn in der Praxis zeigen die allerwenigsten Patienten mit Arthrose ein reines Kaftproblem. Vielmehr haben sie Schwierigkeiten die Muskeln locker zu lassen! Die eigentliche “Kunst” ist es nämlich, einen Muskel nur so stark anzuspannen, wie es gerade notwendig ist. Wenn die Muskeln immer “Vollgas” geben, werden sie schnell überansprucht und aus der Anspannung wird eine Verspannung. Und genau das führt dann zu den Schmerzen – nicht der Verschleiß des Gelenks selbst.

Einen Muskel mit der richtigen Stärke anzuspannen, kann man lernen. Dieser blitzschnelle Prozess läuft unbewusst ab und ist bei Arthrose-Patienten oftmal gestört. Zahlreiche Studien konnten bereits einen Zusammenhang aufzeigen zwischen Hüft-Arthrose und veränderter “Propriozeption”. Dies beschreibt die Fähigkeit die Körperbewegung und -lage zu erfassen und dementsprechend die richtigen Muskeln mit der richtigen Stärke anzuspannen. In der Praxis greifen wir auf ein großes Übungsrepertoire zurück, um genau diese Fähigkeit zu verbessern. Dazu gehören beispielsweise Übungen auf einem Therapiekreisel oder einem weichen Untergrund. Dieser Teil der Therapie, die natürlich immer abhängig ist vom Befund, ist nicht nur äußerst effektiv, sondern macht auch Spaß – und das ist nie verkehrt!

 

Quellen:

Bieler, T., Siersma, V., Magnusson, S. P., Kjaer, M., & Beyer, N. (2018). Exercise induced effects on muscle function and range of motion in patients with hip osteoarthritis. Physiotherapy Research International: The Journal for Researchers and Clinicians in Physical Therapy, 23(1). doi:10.1002/pri.1697

Shakoor, N., Foucher, K. C., Wimmer, M. A., Mikolaitis-Preuss, R. A., Fogg, L. F., & Block, J. A. (2014). Asymmetries and relationships between dynamic loading, muscle strength, and proprioceptive acuity at the knees in symptomatic unilateral hip osteoarthritis. Arthritis Research & Therapy, 16(6), 455. doi:10.1186/s13075-014-0455-7

Sziver, E., Nagy, E., Preszner-Domján, A., Pósa, G., Horvath, G., Balog, A. et al. (2016). Postural control in degenerative diseases of the hip joint. Clinical Biomechanics (Bristol, Avon), 35, 1–6. doi:10.1016/j.clinbiomech.2016.04.001

Truszczyńska, A., Trzaskoma, Z., Białecki, J., Drzał-Grabiec, J., Dadura, E., Rąpała, K. et al. (2016). The effect of unilateral osteoarthritis of the hip on postural balance disorders. Hip International: The Journal of Clinical and Experimental Research on Hip Pathology and Therapy, 26(6), 567–572. doi:10.5301/hipint.5000395